Srdjan Lakic oder ein verlorener Sohn kehrt heim und geht wieder

Wenige Spieler haben beim 1. FC Kaiserslautern eine besser Bilanz als Srdjan Lakic. 80 Spiele, 35 Tore. Also fast in jedem zweiten Spiel ein Tor.

Man kann sagen, daß eine ganze Region schwarz trug, als er 2011 ablösefrei den FCK verließ um in der großen weiten Welt für Furore zu Sorgen und seine Karriere zu krönen. In Wolfsburg sollte sein Höhenflug beginnen.

Wie wir alle wissen, kam es anders. In der Zwischenzeit landete er also in Wolfsburg, in Hoffenheim und Frankfurt auf Leihbasis um dann genau vor einem Jahr, triumphal zum 1. FCK in die zweite Liga zurückzukehren. Der verlorene Sohn kehrt zurück und alle waren glücklich. Er kämpfte und rackerte für seine Mannschaft, wurde 2014 sogar Kapitän.

Es hat jedoch nie mehr so gut funktioniert wie 2010, damals jedoch in der Bundesliga. Es hat nicht gereicht um den FCK wieder in die 1. Liga zu führen. Seine Trefferquote konnte nicht mehr annähernd gehalten werden. Obwohl er sich bemühte, es sollte nicht sein. Anfang Januar sagte er noch im Kicker, er gehöre hier her (nach Kaiserslautern). Das nehme ich ihm ab. Was man ihm nie anlasten konnte war, er hätte sich nicht voll eingesetzt und alles versucht.

Warum ist er nun weg? Weil er, wie es bei Bundesligalegionären populär, sich einer neuen Aufgabe zuwenden will? Es noch mal wissen will? Eine neue Sprache lernen? Den Horizont erweitern?

Sicher nicht. All dies kann man überall. Aber nicht in Paderborn. Die mit Abstand am meisten unterschätzte Mannschaft der Bundesliga. Die sich wacker durch die Saison kämpft, wie das kleine gallische Dorf in den Asterix Heften.

Warum geht man also dort hin? Zu einer Mannschaft, die einen Flair ausstrahlt wie Castrop-Rauxel oder Wanne-Eikel?

Hier gibt es, meiner Meinung nach mehrere Gründe.

Der FCK setzt auf eine Verjüngung des Kaders. Auch Tobias Sippel, der schon ganze 26 Lenze auf dem Rücken hat muß gehen. Der Verein setzt auf eine total-Verjüngung. Mit anderen Worten, das Mainzer Modell. Junge Spieler heranführen und dann für eine anständige Ablösesumme verkaufen. So bleibt man jung!

Ein altes Koboldsgesetz lautet, daß man niemals zu seinem alten Arbeitgeber zurückgehen sollte, denn so schön wie früher wird es nie wieder. Oft erlebt, auch im echten Leben. Nicht nur in der Bundesliga.

Die Wahrheit ist wohl irgendwie in der Mitte. Mit den Ergebnissen kann auch Lakic nicht zufrieden sein. Am Ende der Saison konnte er ablösefrei gehen und der FCK konnte nur noch in dieser Woche eine Ablöse für seinen Vorzeigespieler kassieren. Hiermit wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ein sicher teurer Spieler wurde abgegeben und Geld für ihn kassiert.

Für die Verjüngung spricht, daß Simon Zoller als Ersatz bis zum Ende der Rückrunde verpflichtet wurde. Hier sehen wir wieder. Junger Spieler, für kleines Geld gekommen, für drei Millionen verkauft obwohl er noch nicht so weit war.

Jetzt kommt er zurück, die drei Millionen dürfen behalten werden und der junge Spieler ist trotzdem im Kader. Das paßt also.

Aber spannen wir noch mal den Bogen zurück zu Lakic.

Wird hier auf dem Rücken eines Spielers Geld verdient? Ich bin ja immer noch der Hoffnung, daß es irgendwo den einen Bundesliga Profi gibt, der mit Herzblut für seine Verein spielt, wie früher ein Fritz Walter oder Uwe Seeler. Zwei Fußball-Götter die immer nur für einen einzigen Verein gespielt haben. Gibt es diesen Spieler noch? Ich weiß es nicht. Bisher wurde ich, als Fan, immer enttäuscht, weil die bewunderten Spieler, für eine geringe Anzahl von Millionen, lieber für einen anderen Verein spielen wollten. Einen Verein der eben mehr zahlen wollte und konnte.

Dieses Mal ist es umgekehrt gelaufen. Der Verein wollte schnell etwas mehr Geld verdienen und das auf dem Rücken des Spielers.

Srdjan Lakic wird für Paderborn niemals so spielen und kämpfen wie für seinen FCK. Er wurde weggeschickt ohne gefragt zu werden. Von einem Verein, der sich sonst so bodenständig und traditionsreich gibt. Der eine Herzblut Kampagne ins Leben gerufen hatte.

Die Gesetzte des Geschäftes gelten also für beide Seiten. Für den Spieler, genauso wie für die Vereine, die zukünftig sicher leiser agieren sollten, wenn ein Spieler wegen des Geldes wechseln will, denn in der gleichen Situation, nehmen die Vereine auch lieber das schnelle Geld. Daher kein Mitleid mehr mit den Underdog-Vereinen, die jammern, weil ihnen die Spieler weglaufen um mehr zu verdienen. Sie sind selbst nicht besser.

Srdjan Lakic wünsche ich viel Glück bei seiner neuen Aufgabe. Ich wünsche ihm, daß er sich voll und ganz mit seinem neuen Team identifizieren kann um sich noch mal langfristig in der Bundesliga zu etablieren.

Ein Gedanke zu „Srdjan Lakic oder ein verlorener Sohn kehrt heim und geht wieder

  1. Patrick

    Hallo,
    gut geschriebener Artikel, dennoch entspricht er nicht ganz der Wahrhet. Die Situation die du beschreibst wurde durch die Medien speziell durch den Kicker erfunden. Lakic kam von sich selbst auf die FCK Verantwortlichen zu, mit der Bitte nach Paderborn wechseln zu dürfen, da er dort einen Vertrag bis 2016 erhält und der Vertrag beim FCK im Sommer ausläuft.. Dieser wechsel sollte ihm dann nur genehmigt werden, wenn noch Ersatz gefunden werden kann. Zoller kommt, Lakic geht, ende der Geschichte.
    Auch die Aussage, dass er die Rückendeckung vermisse, hat er in einem persönlichen Gespräch mit den Verantwortlichen des FCK dementiert. Diese Aussage habe er nie getroffen.

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